Von der Idee zum lebendigen Ort

Die Anfangs-Situation

20150530_DSC04252


Eine Brachfläche zwischen Häuserschluchten, auf der sich täglich mehr Müll sammelt, zerbrochene Flaschen, unangenehmer Geruch – ein Ort, der als Toilette genutzt und ansonsten von vielen gemieden wird.
Vor dem Bau des benachbarten Hotels und des schwarzen Büro- und Wohnhauses wurde das Gelände von verschiedenen Projekten genutzt. Seit den Baustellen lag die letzte Freifläche in der Nachbarschaft erstmals seit dem Mauerfall ungenutzt brach.
Einige Leute aus der Spandauer Vorstadt fragten sich, wie lange das so bleiben soll.
Schon im vergangenen Winter wurde sich ausgetauscht, geplant, rumgesponnen und philosophiert wie sich hier was Neues entwickeln kann.
Und dann stand der Entschluss fest: Das soll auf keinen Fall so bleiben wie es ist! Wir gründen einen Nachbarschaftsgarten!

Die Vision

DSC04007
Eine blühende, lebendige Oase, die Alle einlädt.
In selbstgebauten Hochbeeten sprießen kleine selbst gezogene Gemüsepflänzchen.

In Paletten, Eimern und Kübeln blühen verschiedenfarbige Blumen.
Während im Sandkasten gebuddelt wird, spielen andere Ball oder sitzen gemütlich rum.
Klar war, dass das niemand alleine schaffen wird – das geht nur wenn wir uns zusammen tun und gemeinschaftlich das Gartenprojekt vorantreiben.

So wurde in den nächsten Wochen Bauholz, Schrauben und anderes Material organisiert; viele Pflanzen in verschiedenen Wohnzimmern vorgezogen, ein ganzer Laster voll Mutterboden und Grünschnitt für die Hochbeete herangeschafft. Immer wieder wurden Treffen abgehalten, mit weiteren Leuten aus der Gegend gesprochen und auch in dieser Phase schon viel zusammen gelacht, sich kennengelernt und eine schöne Zeit verbracht.

 

Die Umsetzung

7657


Am letzten Wochenende im Mai sollte es losgehen.
Um die Mittagszeit trafen wir uns mit allen Materialien und dem nötigen Werkzeug und legten los: Als erstes musste der Müll eingesammelt und entsorgt werden. Danach gestalteten wir unseren Nachbarschaftsgarten: Beete, Bänke, Kompost, ein Regal für Jungpflanzen, Wassertonne, Blumenkästen und vieles mehr wurde zusammengebaut und auf dem Gelände arrangiert.

Bereits am ersten Abend war deutlich zu sehen: Auf der ehemaligen Brache ist ein Nachbarschaftsgarten entstanden.
Am nächsten Sonntag war ein gemeinsames Kaffee trinken angekündigt. Viele Leute kamen im Laufe des Nachmittags vorbei, die meisten brachten Kuchen oder Getränke mit und der Zuspruch war enorm.

Hier wurde ein ganz besonderer Ort erschaffen

Ein Nachbarschaftsgarten an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen können, um zu reden, zu entspannen, um neue Sachen zu bauen oder zu gärtnern. Und da gibt und gab es ne Menge zu tun – vom Gießen, Umtopfen, Beete bauen bis zur Ernte. Und dabei findet nicht nur ein Austausch über Pflanzenkenntnisse statt, sondern es werden auch Neuigkeiten aus der Nachbarschaft ausgetauscht, gemeinsame Ideen und Wünsche besprochen sowie Meinungen über soziale und politische Fragen.

Es sind nicht nur Pflanzen, die im Nachbarschaftsgarten „Kleines Rosenthal“ sprießen…

Die Zerstörung

20150608_DSF4885

Nachdem der Nachbarschaftsgarten Kleines Rosenthal in der ersten Woche immer weiter aufgebaut und entwickelt wurde, hatte sich anscheinend irgendwer daran gestört.
In einer Nacht- und Nebelaktion wurde am Montag morgen, dem 8.6. zwischen 5 Uhr und 7:45 Uhr alles demontiert, teilweise zerstört und in eine Ecke verfrachtet.
Am Eingang war ein provisorischer Bauzaun mit dem Hinweis aufgestellt, dass hier in den nächsten Wochen ein Mietshaus mit dringend benötigten Wohnungen errichtet werden muss. Nach all den Jahren des Stillstandes und keinerlei wahrnehmbaren bauvorbereitenden Maßnahmen, wie Vermessungen oder Altlastenuntersuchung des Bodens, scheint diese Aussage mehr als fragwürdig.
Denn wer diese Gegend nur ein wenig näher kennt, dem schwant sofort das Schlimmste…

 

Wiederaufbau?

20150620 XPR_0286

Nach einer Woche Ruhe und Kräfte sammeln wurde begonnen alles wieder aufzubauen.
Trotz verschiedenster Versuche haben wir bis heute keinen Kontakt zum Eigentümer der Fläche herstellen können.
Für Behörden, wie dem Grundbuchamt wiegen die Interessen der Nachbarschaft nicht schwer genug, um uns eine Auskunft zu erteilen. Ein gewisser Herr Reimann soll der Eigentümer des Grundstückes Kleine Rosenthaler Straße 10 sein. Mehr ist nicht zu erfahren, obwohl die Nachbarschaftsgarten-Gruppe durchaus bereit ist über die Nutzung des Geländes zu reden.
Die Zentrale Frage ist: Wer hat denn was gegen den Garten und mag eine vermüllte Brachfläche lieber als eine Gemeinschaftsfläche?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Von der Idee zum lebendigen Ort

  1. daniela schreibt:

    Was für eine wunderbare Aktion, dieses Grundstück als Garten für alle nutzbar zu machen anstatt es brach liegen zu lassen! Tolles Projekt, das der Gegend hier gut tun wird! Ich freue mich auf einen baldigen Besuch im Garten und hoffe, dass niemand mehr auf die Idee kommt, etwas so Schönes sinnlos zerstören zu müssen. Auf viel Sommer und Garten in der Nachbarschaft!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s